Steuern auf Investitionen in Europa: Dividenden und Kursgewinne in 10 Ländern (Tabelle 2026)
mr.ilkevich
Den Broker hast du schon gewählt, der Vergleich ist weiterhin da. Aber ein Depot in Europa hat eine Fortsetzung, an die man erst im April denkt: Steuern. Und hier gilt eine Regel, an die man sich nach einem Broker, der die Steuer automatisch abführt, erst gewöhnen muss: IBKR, Lightyear und Revolut zahlen keine Steuern für dich. Wie viel du abgibst und wann, ist keine Frage an den Broker, sondern an das Land, in dem du steuerlich ansässig bist. Die Antworten darauf unterscheiden sich in zehn Ländern Europas um ein Vielfaches: von null auf Zypern bis 31,4% in Frankreich. Wir haben alles in einer Tabelle gesammelt: mit den Sätzen, die 2026 gelten, und mit den Änderungen dieses Jahres, die man leicht verpassen konnte.
Kurze Antwort
- Das typische Bild: ein pauschaler Satz von 15% bis 26,375% sowohl auf Dividenden als auch auf Gewinne aus dem Verkauf. Aus der Reihe fallen vier: Frankreich (31,4%, der höchste Satz der Tabelle), Spanien (Progression 19 bis 30%), die Niederlande (besteuert wird nicht der Gewinn, sondern das Vermögen selbst) und Zypern (für Non-Doms fast null).
- 2026 war überraschend reich an Änderungen: Frankreich hat die Flat Tax von 30% auf 31,4% angehoben, Litauen hat Kursgewinne auf eine Progression bis 32% umgestellt, Zypern hat die Dividendensteuer für „Einheimische“ von 17% auf 5% gesenkt, und Estland hat eine bereits beschlossene Erhöhung zurückgenommen: Der Satz bleibt bei 22%.
- Du zahlst, nicht der Broker. Mit einem ausländischen Broker deklarierst du dein Einkommen selbst und überweist die Steuer selbst, und zwar im Land deiner steuerlichen Ansässigkeit. Es zu vergessen heißt, das Finanzamt von seiner schlechtesten Seite kennenzulernen.
Drei Regeln, ohne die die Tabelle nicht lesbar ist
Erstens: Die Steuer bestimmt die Ansässigkeit, nicht die Staatsbürgerschaft und nicht der Broker. Wer mehr als ein halbes Jahr in Deutschland lebt, zahlt nach deutschen Regeln, auch mit estnischem Pass und einem Konto bei einem amerikanischen Broker. Ein Umzug allein ändert die Ansässigkeit nicht: Es zählen die 183 Tage und der „Mittelpunkt der Lebensinteressen“.
Zweitens: Auf Dividenden wird oft zweimal Steuer erhoben. Zuerst behält das Land des Unternehmens Quellensteuer ein: Die USA zum Beispiel ziehen 15% von den Dividenden auf Apple-Aktien ab, noch bevor das Geld auf dem Konto ankommt. Dann berechnet dein Land seine eigene Steuer, und das im Ausland Einbehaltene wird dank der Doppelbesteuerungsabkommen in der Regel angerechnet. Das Ergebnis ist fast immer „bis zum eigenen Satz nachzahlen“ und nicht „zweimal voll zahlen“.
Drittens: Ein ausländischer Broker führt keine Steuern für dich ab. Eine deutsche Bank behält die deutsche Steuer selbst ein, IBKR aus Irland schickt dir einfach einen Jahresbericht. Danach kommen deine Steuererklärung, deine Fristen, deine Verantwortung. Das ist nicht schlimm, einmal im Jahr ein Formular ausfüllen, aber man muss es vorher wissen.
Tabelle: Dividenden und Kursgewinne im Jahr 2026
| LAND | DIVIDENDEN | KURSGEWINNE | WAS MAN WISSEN MUSS |
|---|---|---|---|
| 🇩🇪 Deutschland | 26,375% | 26,375% | 1.000 € Erträge pro Jahr bleiben steuerfrei; bei Aktienfonds sind 30% der Erträge steuerfrei; bei thesaurierenden ETFs fällt jährlich die Vorabpauschale an |
| 🇫🇷 Frankreich | 31,4% | 31,4% | die Flat Tax PFU ist 2026 von 30% gestiegen; ein PEA-Konto befreit nach 5 Jahren vom Einkommensteueranteil |
| 🇮🇹 Italien | 26% | 26% | Staatsanleihen 12,5%; für ein Konto bei einem ausländischen Broker fällt die Abgabe IVAFE von 0,2% des Vermögens pro Jahr an |
| 🇪🇸 Spanien | 19-30% | 19-30% | Progression: die ersten 6.000 € mit 19%, über 300.000 € mit 30%; ein Wechsel zwischen spanischen Fonds löst keine Steuer aus |
| 🇳🇱 Niederlande | ≈2,2% vom Vermögen | dieselbe Box 3 | besteuert wird nicht der Gewinn, sondern eine fiktive Rendite von 6% des Vermögens (Satz 36%); die ersten 59.357 € sind frei |
| 🇵🇱 Polen | 19% | 19% | „Belka-Steuer“; ab 2027 ein steuerfreies Investmentkonto OKI (Limit 100.000 Złoty) |
| 🇪🇪 Estland | 0% oder 22% | 22% | ausländische Dividenden, die bereits an der Quelle besteuert wurden, werden nicht erneut besteuert; ein Investmentkonto schiebt die Steuer auf; die Erhöhung auf 24% ist abgesagt |
| 🇱🇻 Lettland | 25,5% | 25,5% | Dividenden lettischer Unternehmen, die die lokale Steuer gezahlt haben, bleiben steuerfrei; +3% auf Einkommen über 200.000 € pro Jahr |
| 🇱🇹 Litauen | 15% | 20-32% | ab 2026 Kursgewinne nach Progression; 500 € Gewinn pro Jahr sind frei; Aktien, die 5+ Jahre gehalten wurden, weiterhin 15%; es gibt ein Investmentkonto |
| 🇨🇾 Zypern | 2,65% (Non-Dom) | 0% | Gewinne aus Wertpapieren werden gar nicht besteuert; Non-Doms zahlen nur den Beitrag zur Krankenversicherung; für Domizilierte gilt auf Dividenden ab 2026 5% statt 17% |
Sätze für eine Privatperson, die im jeweiligen Land steuerlich ansässig ist und über einen Broker in Aktien und ETFs investiert; gültig im Jahr 2026. In Deutschland kann zum Satz die Kirchensteuer hinzukommen, in Frankreich fallen bei Einkommen über 250.000 € zusätzliche Abgaben an, in Spanien haben das Baskenland und Navarra eigene Tarife.
Drei Systeme, die die gewohnte Logik brechen
Niederlande: Steuer fällt an, auch wenn es keinen Gewinn gibt. Box 3 interessiert sich nicht dafür, wie viel du tatsächlich verdient hast: Der Staat „unterstellt“ deinem Vermögen eine Rendite von 6% pro Jahr und nimmt davon 36%. Ein Portfolio von 100.000 € über dem Freibetrag kostet rund 1.450 € Steuer pro Jahr, egal ob es gestiegen, gefallen oder als Cash liegen geblieben ist. Der einzige Trost ist der „Gegenbeweis“: Liegt der tatsächliche Ertrag unter dem fiktiven, kann man seit 2025 den realen deklarieren und darauf zahlen. Der vollständige Übergang zur Besteuerung des tatsächlichen Ertrags ist bis 2028 versprochen, das Gesetz liegt noch im Senat.
Estland und Lettland: Die Steuer zahlt das Unternehmen, nicht du. In beiden Ländern wird die Körperschaftsteuer im Moment der Gewinnausschüttung erhoben, deshalb kommen Dividenden lokaler Unternehmen beim Anleger schon „netto“ an. Mehr noch: In Estland werden ausländische Dividenden, von denen bereits Quellensteuer einbehalten wurde, zum Beispiel die amerikanischen 15%, gar nicht erneut besteuert. Und das Investmentkonto (investeerimiskonto) erlaubt es, Verkaufsgewinne steuerfrei weiter zu reinvestieren, solange du nicht mehr vom Konto abhebst, als du eingezahlt hast. Für langfristige Anleger ist das eines der freundlichsten Systeme Europas, und 2026 ist es das geblieben: Die geplante Erhöhung des Satzes auf 24% hat das Parlament zurückgenommen.
Zypern: fünfzehn Minuten Papierkram und fast null. Wer als Ausländer nach Zypern zieht, erhält für 17 Jahre den Status Non-Dom: Dividenden und Zinsen unterliegen weder der Einkommensteuer noch der Verteidigungsabgabe, nur dem Beitrag zur Krankenversicherung von 2,65%, und der ist gedeckelt. Gewinne aus dem Verkauf von Aktien und ETFs werden bei niemandem besteuert: Eine Steuer auf Kursgewinne bei Wertpapieren gibt es auf Zypern schlicht nicht. Die Reform 2026 hat das System nicht angetastet und den Einheimischen sogar die Dividendensteuer von 17% auf 5% gesenkt.
Was sich 2026 geändert hat
- Frankreich: 30% → 31,4%. Zur Flat Tax kamen 1,4 Punkte Sozialabgaben „für die Autonomie“ hinzu. Eine Kleinigkeit, aber die Richtung spricht Bände.
- Litauen: Kursgewinne in die Progression. Statt der bisherigen 15% jetzt 20% bis 32%, abhängig vom Gesamteinkommen des Jahres. Dividenden bleiben bei 15%, und Wertpapiere, die länger als fünf Jahre gehalten wurden, ebenfalls: ein buchstäblicher Steuerbonus für Langfristigkeit.
- Zypern: große Reform, Non-Dom bleibt. Die Verteidigungsabgabe auf Dividenden für Domizilierte wurde von 17% auf 5% gesenkt, der Non-Dom-Status bestätigt und sogar verlängerbar gemacht.
- Estland: Erhöhung abgesagt. Sowohl die „Sicherheitssteuer“ als auch die bereits beschlossene Anhebung des Satzes auf 24% wurden zurückgezogen, 2026 gelten 22%.
- Niederlande: noch einmal gut gegangen. Geplant war, die fiktive Rendite auf 7,78% anzuheben und den Freibetrag zu kürzen, das Parlament hat es abgewehrt, es bleibt bei 6% und 59.357 €.
- Polen: Gesetz über OKI unterzeichnet. Ein persönliches Investmentkonto ohne Steuer auf die Erträge darin, aber es startet erst 2027; 2026 gilt die „Belka-Steuer“ wie bisher.
Nichtansässige: zwei Steuern statt einer
Sobald ausländische Aktien im Portfolio liegen, werden aus einer Steuer zwei: an der Quelle und zu Hause. Der klassische Weg einer amerikanischen Dividende sieht so aus: Ohne Unterlagen behalten die USA 30% ein, mit dem Formular W-8BEN 15% nach dem Doppelbesteuerungsabkommen. Das Formular füllt man beim Broker online in fünf Minuten aus, bei IBKR ist es Teil der Registrierung, und das sind vermutlich die bestbezahlten fünf Minuten im Investieren. Danach rechnet dein Land bis zu seinem Satz hoch: Ein deutscher Steuerinländer zahlt rund 11,4% nach, ein estnischer zahlt nichts nach.
Die Kehrseite derselben Medaille ist die Steuer, die das Land des Unternehmens einbehält, wenn du als Nichtansässiger Dividenden erhältst. Hier ist die Spanne bei den Ländern der Tabelle nicht kleiner: Estland, Lettland und Zypern behalten nichts ein, Frankreich nimmt von Privatpersonen 12,8%, die Niederlande 15%, Spanien und Polen 19%, und Deutschland zieht seine 26,375% ab und bietet an, die Differenz über die vertraglichen 15% hinaus in einem gesonderten Verfahren zu erstatten, weshalb deutsche Aktien für Nichtansässige angenehmer über einen Fonds zu halten sind. Die praktische Schlussfolgerung für die meisten Leser ist einfach: Irische UCITS-ETFs lösen den Löwenanteil dieser Probleme von selbst, innerhalb des Fonds werden amerikanische Dividenden mit den günstigen 15% besteuert, und der Fonds selbst behält bei dir nichts ein. Wir haben das im Broker-Vergleich ausführlicher behandelt.
Typische Fehler
- Erwarten, dass der Broker alles selbst erledigt. Ein ausländischer Broker behält keine Steuern ein und schickt deinem Finanzamt nichts. Den Bericht für die Steuererklärung ja, der Rest bist du.
- W-8BEN nicht ausfüllen. Der doppelte US-Satz auf Dividenden, 30% statt 15%, für ein übersprungenes Online-Formular. Prüfe es noch heute: Bei den meisten Brokern ist der Status in den Kontoeinstellungen sichtbar.
- Nichts von Steuern „ohne Verkauf“ wissen. Die deutsche Vorabpauschale und die niederländische Box 3 fallen an, auch wenn du nichts verkauft hast. Eine Überraschung in der Steuererklärung ist die schlimmste Art von Überraschung.
- Länder nach einem einzigen Satz vergleichen. Litauen: „nur 15%“ auf Dividenden und bis zu 32% auf Kursgewinne; Lettland: 25,5%, aber null auf lokale Dividenden; Estland: 22%, die für viele Portfolios zu null werden. Schauen muss man auf das eigene Portfolio, nicht auf die Schlagzeile.
- Einen Umzug für einen Steuerwechsel halten. Solange du nicht aufgehört hast, Steuerinländer des alten Landes zu sein, nach Tagen und nach dem „Mittelpunkt der Interessen“, betrachtet dessen Finanzamt deine Einkünfte weiterhin als seine.
Fazit
- Die Spanne ist real: Auf dasselbe Portfolio zahlt man in Paris 31,4% und in Limassol 2,65%. Steuern sind keine Fußnote zum Investieren, sondern eine vollwertige Zeile in der Rendite.
- Das Baltikum ist freundlicher, als es scheint: das estnische Investmentkonto, steuerfreie lokale Dividenden in Lettland, der litauische Bonus für 5+ Jahre Haltedauer. Langfristige Anleger haben hier viele legale Wege, weniger zu zahlen.
- Prüfe das Jahr: Vier von zehn Ländern haben die Regeln gerade erst geändert, zwei weitere kündigen es für 2027 und 2028 an. Die Tabelle oben werden wir aktualisieren.
- Minimale Hygiene, also W-8BEN beim Broker, UCITS-Fonds statt amerikanischer, Kenntnis des eigenen Satzes und der Fristen der Steuererklärung, erledigt 90% der Fragen ganz ohne Berater.
Wenn es nützlich war: Im Invest-Hub-Abo zeigen wir unsere echten Portfolios und Trades und gehen solche Fragen an lebendigen Beispielen von Abonnenten aus verschiedenen Ländern Europas durch. Beitreten kannst du über den Link hier.
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Steuer- oder Anlageberatung. Sätze und Regeln nach Angaben der nationalen Steuerbehörden und der Übersichten von PwC/EY, Stand August 2026; in deiner Situation können Sonderregelungen, regionale Tarife und Übergangsbestimmungen gelten. Prüfe vor Entscheidungen die Regeln deines Landes oder frag einen Berater.

